Orthodoxe und katholische Bischöfe und der Corona-Virus

Wie man hört, werden in Italien und anderswo Messen verboten, auch in Deutschland ist z.B. der Gebrauch von Weihwasser in mehreren Diözesen untersagt. So ganz anders ist die Reaktion z.B. orthodoxer Bischöfe in Griechenland oder katholischer Bischöfe!

Der ständige Heilige Synod der orthodoxen Kirche in Griechenland hat in seiner Sitzung am 9. März das Problem des Corona-Virus behandelt. Dabei erinnerte er an die prophylaktischen Maßnahmen, die von den Behörden vorgesehen sind. Vor allem aber befaßte er sich mit Entscheidungen bezüglich des liturgischen Lebens.

Laßt uns alle unsere Gebete zum Sieger über Vergänglichkeit und Tod verstärken, damit Er Sein Volk vor allem gesundheitlichen Schaden bewahre. Wir bitten deshalb Ihre Eminenzen, die Herren Metropoliten, den Pfarrern zu empfehlen, am nächsten Sonntag, am 15. März, dem 2. Fastensonntag, vor dem Beginn der Heiligen Liturgie in allen Kirchen Griechenlands ein besonderes Gebet gegen die weitere Ausbreitung der Karnkheit zu sprechen.

(Erinnerung an die von der Regierung vorgesehenen Maßnahmen)

Für die Gläubigen kann die Teilnahme an der göttlichen Eucharistie und an der Kommunion, am gemeinsamen Kelch des Lebens, keinesfalls die Ursache einer Weitergabe der Krankheit sein, denn zu allen Zeiten wußten und wissen die Gläubigen, daß die Teilnahme an der Heiligen Kommunion selbst während Pandemien einerseits ein wirklicher Ausdruck der Selbsthingabe an den lebendigen Gott ist, und andererseits auch eine klares Zeugnis der Liebe, die alle menschliche Furcht besiegt, auch wenn sie noch so berechtigt erscheint: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus.“ (1 Joh. 4,18) Die Gläubigen wissen, daß die Kommunion, also die Vereinigung, die Frucht der Liebe und ein Akt der Freiheit ist, und zwar genau deshalb, weil sie keinen Verdacht, keine Bedenken und keine Ängste kennt.

Der Heilige Synod betont im Folgenden, daß ein eventuelles Verbot der Eucharistie von einem ganz anderen Standpunkt ausgeht und daß diejenigen, die gottesfürchtig, in Glauben und Liebe kommunizieren (und zwar freiwillig, ohne Zwang), mit dem Leib und dem Blut Christi das Heilmittel der Unsterblichkeit empfangen.

„Ohne wen auch immer wegen Furcht oder Unsicherheit zu verurteilen“, fährt er fort, „bekennen wir, daß alle Gläubigen, die ihre Pflicht der Liebe in Freiheit erfüllen, weiterhin in unsere Kirchen kommen und kommunizieren können in der Sicherheit, daß sie sich mit dem Leben und mit der Unsterblichkleit vereinen“.

Gemeldet wird auch, daß sich in Thrakien Bürgerwehren gebildet haben, die der Armee bei der Verteidigung der griechisch-türkischen Grenze helfen. Das Haupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Ieronimos, hat sie aufgesucht und gesegnet.

Von katholischer Seite erfolgt ein Kommunique des Pressebüros der Bischofskonferenz – der polnischen, natürlich:

„Im Rahmen der Empfehlung des leitenden Gesundheitsinspektors, nach denen es keine großen Menschenansammlungen geben soll, bitte ich darum, so weit wie möglich die Anzahl der Sonntagsmessen zu erhöhen, damit jeweils eine bestimmte Anzahl Gläubiger der Liturgie beiwohnen kann, wie es den Richtlinien der Gesundheitsdienste entspricht“, schreibt der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanisław Gądecki.

Er betont zugleich, daß die Krankenhäuser den erkrankten Leib heilen, und daß die Kirchen ihrerseits unter anderem dazu da sind, Geist und Seele zu heilen. „Es ist deshalb undenkbar“, hat der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz entschieden, „daß wir nicht in unseren Kirchen beten“.

Erbischof Gądecki erinnert daran, daß Alte und Kranke die Sonntagsmesse in den Medien verfolgen können und daß es nicht notwendig sei, den (im NOM üblichen, JV) Friedensgruß auszutauschen.

Zugleich bittet er um das Gebet für die an den Folgen des Coronavirus Gestorbenen, für die Kranken, für das medizinische Personal und für alle, die an der Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Virus arbeiten. Vor allem soll für ein Ende der Epidemie gebetet werden. „In Übereinstimmung mit der Tradition der Kirche rege ich besonders an, das Bittgebet „Heiliger Gott, Heiliger Starker…“ zu beten“, unterstreicht der Vorsitzende des polnischen Episkopats.

In manchen Ländern ist der Coronavirus ein Vorwand, die Mundkommunion zu verbieten. In Polen ist er „nur“ der Anlaß, jenes unpassende, grinsende Händeschütteln während der Messe zu unterlassen…

Das o.a. Bittgebet (das Trisagion auf Polnisch) hört sich polnisch folgendermaßen an:

Święty Boże, Święty Mocny, Święty Nieśmiertelny, zmiłuj się nad nami. – Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser!

Oder hier, mit korsichem (!!) Einfluß, mit dem Chor „Jerycho“ von Bartosz Izbicki, dem Organisten der Basilika Johannes der Täufer in Brochów (dort wurde Chopin getauft):

Welch‘ ein Glück, katholisch zu sein!

JV