Weltweit führender Epidemiologe: Momentan habe ich absolut keine Angst

Professor Dr. Didier Raoult sieht aus wie eine Mischung aus Asterix und dem Druiden Miraculix, er leitet das „Institut Hospitalo-Universitaire (IHU) Méditerranée Infection“ in Marseille und ist ein führender Epidemiologe Frankreichs; er wird auch als weltweit führender Experte für Infektionskrankheiten bezeichnet. In den letzten Tagen wurde er in Frankreich durch seine Stellungnahmen zur Corona-Epidemie bekannt. Diese stimmen in wesentlichen Punkten mit denen überein, die in Deutschland u.a. von Dr. Wolfgang Wodarg vertreten werden. Beide zeichnen sich durch sachliche, tatsachenbezogene Argumentationsweise fernab jeder Panikmache aus. Im nicht-deutschsprachigen Raum schließen sich mehr und mehr Experten dieser Argumentation an.

Wir dokumentieren hier Auszüge aus einem Interview, das Prof. Raoult der Tageszeitung „La Provence“ gestern gegeben hat.

„In Marseille haben wir 120 positive Fälle diagnostiziert; es gab zwei Tote, sie waren älter als 87 Jahre. Sie starben auch im vergangenen Jahr. Auf 100 Proben von Patienten mit einer Atemwegsinfektion, das sind dann eher schwere Fälle, wenn man 20 Viren und 8 Bakterien testet, dann gibt es immer noch 50% bei denen man nicht weiß, was sie sind, das ist eben unsere große Unwissenheit. Was die anderen anbetrifft, so gibt es 19 saisonale Viren, die ebenfalls tödlich sind. Die endemischen Coronaviren töten hier mehr als die chinesischen. Ich vergleiche ständig die Todesursachen in der gesamten Region mit dieser wachsenden Angst-Welle: im Moment ist es wahrscheinlicher, an etwas anderem zu sterben als am Covid-19. Ein hohes Alter, weitere Krankheiten bzw. Vorerkrankungen und ein zu spätes Eingreifen sind Faktoren der Sterblichkeitsrate. Das ist vielleicht schwierig zu akzeptieren, aber das ist nun einmal die Realität. Das einzige, das mich interessiert, sind nackte Daten und Fakten. Daten und Fakten bleiben bestehen, Meinungen ändern sich… Momentan habe ich absolut keine Angst.

Ich bin Wissenschaftler, und genau das fehlt in diesem Land; ein großer Teil der Politik und der Verwaltung reagiert wie Sie (die Medien, vermerkt „La Provence“). Wir aber dürfen nicht so reagieren. Die einzigen Fakten, die mich interessieren, sind diejenigen, die man messen kann, ich habe keine Meinung. Lediglich die Presse spricht von dem, was im Osten (Frankreichs) passiert, ich für meinen teil habe keine Daten. Aus Italien hört man Schreckliches; ich habe eine Analyse vorliegen: wie anderswo auch sind es Menschen über 75 Jahre. Die Japaner haben einen guten Versuch gemacht und die Kreuzfahrer auf der Diamond Princess, die ein entsprechendes Alter haben, auf dem Schiff interniert. Man sah sehr wohl, daß es ansteckend ist, 700 Personen haben sich angesteckt. Trotz einer sehr fragilen Population sind lediglich ein Prozent gestorben. Das ist die Realität, die man beobachten und messen kann. Wenn es im Osten 1000 Tote gibt, ja, dann sage ich, das ist gravierend.

Und ich schwimme nicht etwa deshalb gegen den Strom, weil einige Leute in Paris etwas anderes denken. In meiner Welt bin ich so etwas wie ein Weltstar, und ich bin in gar keiner Weise im Gegensatz zum Mainstream Ich betreibe Wissenschaft, keine Politik. Infektionskrankheiten sind überhaupt nicht kompliziert, das ist Diagnose und Behandlung. Es ist nichts als B-A ba, und ich kann nichts dazu, wenn Leute das B-A ba der Infektionskrankheiten oder des Chloroquins nicht kennen, die man im dritten Jahr des Medizinstudiums lernt. Ich kann und will nicht die Erziehung jener Leute nochmal von vorn beginnen, die die Welt im Fernsehen neu erschaffen. Es interessiert mich nicht, was andere denken. Ich bin kein Außenseiter, ich bin der am weitesten Fortgeschrittene. Die richtige Frage ist: wie ist dieses Land in einen solchen Zustand geraten, daß man eher auf Leute hört, die keine Ahnung haben, als auf Leute, die wirklich etwas wissen?

Das ist nicht etwa meine Strategie (Massentests durchzuführen), das ist gesunder Menschenverstand. Ich weiß nicht, warum das nicht eine nationale Vorgehensweise ist, das ist eine politische Entscheidung. Ich tue meine Pflicht, Punkt und Schluß. Ich tue, was ich tun muß, das ist meine Rolle in diesem Stück. Ich bin der einzige, der klassisch über die Infektionskrankheiten denkt, während alle Welt die Nerven verliert…“

Quelle: „La Provence“

Wir arbeiten an der Übersetzung eines weiteren, sehr viel längeren Artikels eines führenden französischen Mediziners.

Ein Urteil über die Stellungnahmen Dr. Wolfgang Wodrags (gut unterfüttert mit Statistiken und verständlichen Graphiken) kann man sich auf seiner Internetseite bilden.

JV