Vor dem Gesetz sind alle gleich – aber einige sind eben gleicher

Es ist ja eigentlich nichts Neues für den, der sich im Internet auf Lokalseiten und bei regionalen Zeitungen umtut (bekanntlich ist das alles nämlich nur von regionaler Bedeutung und schafft es deshalb nicht in die überörtlichen Medien). Und trotzdem wird einem bei der einen oder anderen Meldung übel, besonders, wenn solche Meldungen vergleichbar sind wie in diesem Fall.

Wir zitieren Meldung 1:

Deggendorf – Ein Assistenzarzt am Donau-Isar-Klinikum in Deggendorf hat vier Patientinnen sexuell missbraucht.

Das Amtsgericht Deggendorf hat den 34 Jahre alten Syrer jetzt zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Außerdem darf der Arzt vier Jahre lang keine weiblichen Patienten behandeln. Die Vorfälle ereigneten sich alle 2015, der Arzt wurde daraufhin entlassen. Nach Informationen der „Passauer Neuen Presse“ hat die Polizei den Fall damals verschwiegen. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre ohne Bewährung gefordert.

Und nun Meldung 2:

Landgericht Essen: Arzt wegen Vergewaltigung zu langer Haftstrafe verurteilt
HERNE. Unter anderem wegen schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung ist diese Woche ein Arzt aus Herne laut Medienberichten vor dem Landgericht Essen zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.
Betroffen waren drei Frauen, mit denen er zum Zeitpunkt der Taten eine Beziehung hatte. Außerdem verhängte das Gericht auch ein dreijähriges Berufsverbot gegen den Mediziner, da dieser den Beruf als Arzt missbraucht habe.
(Die Hervorhebungen sind von uns).
Vor dem Gesetz sind alle gleich – manche aber sind eben gleicher. Und bekanntlich nicht nur in diesem Fall; er stieß uns nur gerade besonders heftig auf. Auch deshalb, weil sich gewisse Kreise in diesem Land, in dem solches geschieht, über die völlig berechtigte Justizreform in Polen scheinheilig aufregen.
JV