Letzte Gedanken zum „Fall Relotius“

Noch immer schlägt der „Fall Relotius“ hohe Wellen, Kommentare gibt es zuhauf, und viele davon sind ganz ausgezeichnet. Dazu später.

Bei der Verfolgung der Berichterstattung fiel uns immer mehr auf, daß ja eigentlich überhaupt keine Konsequenzen daraus gezogen werden, von den persönlichen Folgen für den Starreporter mal abgesehen. Der Spiegel gibt sich auf ganz widerwärtige Weise als Opfer, und auch der Rest der BRD-Presse tut so, als habe er eine blütenweiße Weste und sei nur auf einen Betrüger hereingefallen. Alle sind sie die reinen Engel – aber das wissen wir ja sowieso.

Nun war es in der Geschichte des Sozialismus in all seinen Ausprägungen, national und international, durchaus üblich und normal, daß immer wieder etwas in der Bevölkerung Unmut hervorrief: sei es die Versorgungslage, sei es irgend eine unpopuläre Maßnahme der Herrschenden. Dann hieß es z.B.: „Wenn das der Führer wüßte…“. In schlimmeren Fällen wurden unter Stalin und in der DDR auch Bauernopfer gebracht. Man suchte jemanden aus, den man dann „hochgehen“ ließ als Konterrevolutionär, als Agent des Westens oder des Kapitalismus, was gerade eben so ging.

Dieser Mensch wurde dann im übertragenen und oft ja auch im wörtlichen Sinne öffentlich hingerichtet. Dann war Ruhe im Karton, der Schuldige war ausgemacht, gefunden, ausgeschaltet und unschädlich gemacht.

Und der Sozialismus ging ruhig und entschlossen weiter seinen Weg. Das tut er bis heute.

Nicht anders scheint es uns im „Fall Relotius“ zu sein, der doch eher ein „Fall BRD-Presse“ ist. Der Schuldige ist gefunden und unschädlich gemacht. Die Sache kann weitergehen.

Wer’s nicht glaubt: vor zwei Tagen hat ein islamischer Attentäter aus Bosnien seinen Wagen in Recklinghausen im Ruhrgebiet in eine Bushaltestelle gelenkt und dabei eine Greisin getötet und mehrere Menschen verletzt. Und nun googeln Sie mal nach den entsprechenden Nachrichten. Unisono (aber nein, da wird nichts gelenkt, beileibe nicht) wird von einem „Unfall“ gesprochen, von einem „erweiterten Suizid“ (welch‘ ein Unwort!!). Beides war es nicht. Vor allem für einen „erweiterten Suizid“ wäre es eher typisch gewesen, ihn z.B. auf der Autobahn zu begehen, der höheren Geschwindigkeit wegen.

Typisch auch die Sprache der Meldungen. Die härteste Überschrift ist sicherlich: „Auto rast in Recklinghausen mit Absicht in Menschenmenge“. Immer diese Autos! Die machen das mit Absicht! Geistig verwirrt sei der Fahrer, wird (wie so oft) gemeldet. Nun ja: die BRD ist bisher der einzige Staat der Welt, der den Islam als geistige Verwirrung anerkennt.

Zum Abschluß noch einmal: Relotius, das Bauernopfer in der Situation des gigantischen Glaubwürdigkeitsverlustes der BRD-Presse, ist unschädlich gemacht. Die Sache kann weitergehen. Das tut sie. Ungebrochen. Es bleibt die Hoffnung, daß trotzdem immer mehr Bürger nicht mehr ganz kritiklos annehmen, was ihnen vorgesetzt wird.

Dieser ganze Medien- und Pressekomplex ist so abgrundtief verlogen, verkommen, korrupt, intrigant, einfach so generell widerlich. Und es fällt mir gar nicht mal so sehr daran auf, dass der Typ da gelogen hat. Journalisten beim Lügen habe ich schon oft gesehen. Sondern wieder mal diese eklige Doppelmoral, dieses Anlegen völlig anderer Maßstäbe an sich selbst als an andere. Denkt mal drüber nach, welche Maßstäbe diese Presse allein in diesem Jahr (Chemitz-Video, Mann mit Hut, Trump und die Spiegel-Titelblätter dazu, Weinstein, Wedel und so weiter) an andere angelegt hat. Und wie weich und selbstmitleidig sie sich jetzt zum armen Opfer erklärt und sich für ihre hohen journalistischen Maßstäbe und Leistungen auf die Schulter klopft.
Diese Leute sind so absolut widerlich.
Wer kauft diesen Leuten noch etwas ab?
Wer glaubt diesen Leuten noch etwas?

Das schreibt Hadmut Danisch in seinem höchst lesenswerten Kommentar zur Sache. Da müssen wir nichts mehr zu sagen.

JV