Antifaschistisches Jodeln

Wir haben geglaubt, eigentlich schon so ziemlich alles mitbekommen zu haben, was im Bereich „gegen rechts“ so auf dem Markt ist. Wir haben Bilder von bejahrten grünen Parteichefinnen mit einem Button „Kein Sex mit Rechten“ gesehen, auch Bilder von recht wenig ansprechenden Anhängerinnen linker Parteien, die Gleiches versprachen (uff). Auch „Omas gegen rechts“, „Blockflöten gegen rechts“ spielende ältere Lehrerinnen und „Prominente“, die sich mit schwarz-rot-golden eingefärbter, herausgestreckter Zunge ablichten ließen, waren dabei, sogar Kardinäle haben sich auf ähnliche Weise profiliert und kleine grüne Stempelchen auf Pflastersteine gedrückt. Bisher haben wir all das recht unbeschadet mit einer Mischung aus Kopfschütteln, Lachen und einem starken Zweifel am Gesundheitszustand, vor allem am psychischen Gesundheitszustand dieser Gesellschaft ertragen – oder haben wir es erduldet? Egal.

Seit dem 11.11. ist nun im Rheinland der Karneval ausgebrochen. Daran dachten wir auch, als wir heute mittag in die Sendung „Kultur am Mittag“ im WDR 3 gerieten. Kultur ist immer gut, da kann man was lernen, und der WDR 3 war früher ein wirklich niveauvolles Programm mit relativ wenig Propaganda. Also: da wollten wir uns doch gerne bilden lassen!

Und es geschah. Völlig unvorbereitet erhielten wir einen tiefen Einblick in das, was sozialistische Kulturschaffende (ja: dieser DDR-Begriff ist, wie so viele andere, auch wieder da) so unter Kultur verstehen. Zunächst war uns ehrlich nicht klar, daß das gar kein Karnevals-Beitrag war. Und dann staunten wir mit offenem Mund, wie ähnlich doch Karneval und der sozialistische Kulturbegriff sind.

Da wurde allen Ernstes (ja! allen Ernstes!) von nicht mehr ganz so jungen Frauen berichtet, die antifaschistisches Jodeln betreiben. Antifaschistisches Jodeln. Mal wieder holte die Realität des sozialistischen Gutmenschentums jede denkbare Satire ein, und nicht nur das: sie überholte sie spielend.

Reporterin und Jodlerinnen waren sich über die Gefahren, die ihrer Vorstellung von Demokratie durch Populismus und völkische Dumpfheit drohen, völlig einig. Man dürfe, so die Jodlerinnen, das Jodeln nicht den Rechten überlassen, es habe ja sowieso bereits einen gewissen Beigeschmack, und dem müsse man (gerne ergänzen wir: „mutig“) entgegentreten. Richtig! Kein Handbreit rechten Jodlern! Flagge zeigen! Gesicht wahren! Wir sind mehr! Feine Sahne Fischfilet!

Ernsthaft: was soll man an diesen Leuten noch ernst nehmen? Thor von Waldstein hat in einem Vortrag mal gesagt, man habe es jetzt mit der dümmsten Linken zu tun, die es je gegeben hat. Nach alledem, was man so mitbekommt, ist man geneigt, dem zuzustimmen. Wenn es nur nicht so wäre, daß so etwas recht beachtliche Wahlergebnisse zeitigt. Und im Sinne der guten Sache gerne auch mal Gewalt nicht „nur“ gegen Sachen gutheißt, gar fördert.

Womit wir wieder bei Überlegungen zum psychischen Zustand der Gesellschaft wären. Deprimierend.

Wir sind heute über diesen Beitrag gestolpert. Das war aber schon nicht mehr ganz so aktuell: da der BRD-Rundfunk überhaupt nicht gleichgeschaltet ist, konnte man ihn bei „Deutschlandfunk Kultur“ schon eine Woche früher hören, haben wir dann ‚rausgefunden.

Nein. Wir werden jetzt hier keinen Link setzen. Wer sich für antifaschistisches Jodeln interessiert, kann das gerne als Suchwort bei Dr. Guhgel eingeben, man wird reichlich fündig, und es lohnt sich, wenn man genügend Seelenstärke hat, die man gegen solche optischen Angriffe einsetzen kann.

Ja. Es ist wie Karneval. Nur nicht so lustig. Aber das ist der (offizielle) Karneval ja auch schon lange nicht mehr.

JV