Die Familie ist ein Segen für den Staat und für die Gesellschaft

In der Tradition der Kirche wird am ersten Sonntag nach der Erscheinung des Herrn das Fest der Heiligen Familie gefeiert. Das ist natürlich ein gegebener Anlaß, über die Bedeutung der Familie für den Einzelnen, für den Staat und für die Gesellschaft nachzudenken. Das gilt in heutigen Zeiten einer tödlichen Gefährdung der Keimzelle von Staat und Gesellschaft ganz besonders. Was ist zu tun, um dieser Gefährung unserer Gesellschaft entgegenzuwirken?

„Vor allem aber habt die Liebe, sie ist das Band der Vollkommenheit“. Dieser Satz aus der heutigen Lesung paßt ausgezeichnet für das Fest der Heiligen Familie, welches wir heute begehen. Eine wahrhaft christliche katholische Familie ist ein Segen für die Familienmitglieder selber und für den Staat und für die Gesellschaft.

Bevor wir uns diesen beiden Punkten widmen, sei nochmal kurz an die Definition der Familie erinnert. Was bedeutet Familie? Die Familie ist die Gemeinschaft der Eltern mit ihren Kindern. Noch vor zehn bis zwanzig Jahren hätte diese Definition genügt. Heute aber muß man noch einen Zusatz machen: die Eltern sollen dabei aus einem Mann und einer Frau bestehen, so wie es auch der Schöpfungsordnung entspricht. Der Begriff „Ehe für alle“ hat den wahren Familienbegriff verdunkelt, so daß man heute sehr genau formulieren muß. Die Ehe für alle, gemeint also auch die „Ehe“ für homosexuelle Partnerschaften, sogar mit Adoptivrecht für Kinder, ist nur ein weiterer Schritt in der Abwärtsspirale zur Vernichtung der wahren christlichen Familie. Und das wird deutlich, wenn wir auf die eingangs erwähnten Punkte ein wenig eingehen.

Also: Familie ist ein Segen für die Familienmitglieder selber. Der Zweck der Familie, was ist das? Zweck der Familie ist die Versorgung der Familienmitglieder erst einmal mit allem für das tägliche Leben Notwendigen. Das meint eine körperliche und geistige Erziehung der Kinder. Und so wird die Familie vorbereitet, Zelle, wichtigste Zelle der Gesellschaft zu sein. Der Staat, der oft manchmal unter-, aber gerade heute oft überbetont wird, gibt lediglich die Rahmenbedingungen, unterstützt die Familien, damit die Eltern ihrer naturrechtlichen Verpflichtung nachkommen können. Der Staat kann dazu familienfreundliche Gesetze machen, Gesetze, die die Familien besonders schützen. Aber der Staat mischt sich nicht ein in das Leben der Familien, sondern wirkt, noch einmal, helfend und unterstützend. Das ist das eine.

Zum andern ist die Familie ein Ort der Geborgenheit, der Heimat. Neben der wirtschaftlichen Grundsicherung, die natürlich wichtig ist, sind es aber vor allem geistige Werte, die vermittelt werden sollen. Und dazu kommt die Freude an gemeinsamen Unternehmungen, zum Beispiel gemeinsame Ausflüge, gemeinsame Entspannung, durchaus auch Ferienreisen, das ist das eine, und dann natürlich das letzte und wichtigste Band, welches die Familie dann zusammenhält, ist der gemeinsame Glaube. Ohne den gemeinsamen Glauben fehlt etwas ganz Entscheidendes. Deshalb hat die Kirche Mischehen, aus dieser Sicht betrachtet, immer mit Bedenken gesehen. Man muß sich heute noch eine Dispens einholen, wenn jemand – also ein Katholik – einen Protestanten oder natürlich einen Nichtchristen heiraten will: weil genau hier der Punkt ist, weil hier das Problem liegt, denn dieses wichtigste Band ist in einer Mischehe zumindest gefährdet. Natürlich können Mischehen auch gut ausgehen, aber oft gehen sie eben nicht gut aus. Und die Kinder merken es sehr wohl, wenn die Eltern vom Glauben her nicht an einem Strang ziehen, und stellen dann Fragen, warum zum Beispiel geht der Vater nicht mit in die Heilige Messe am Sonntag. Und das sind dann Fragen, die nicht immer angenehm sind.

Der gemeinsam gelebte Glaube, das gemeinsame Gebet in der Familie – zum Beispiel der Rosenkranz – es sollte in jeder Familie der Rosenkranz gebetet werden, vielleicht nicht immer der ganze: zwei, drei Gesetze gemeinsam – dann aber auch der gemeinsame Meßbesuch am Sonntag: diese gemeinsamen religiösen Übungen prägen gerade die Kinder für ihr ganzes Leben. Vor allem dann, wenn das religiöse Leben mit der notwendigen Ernsthaftigkeit geführt wird und der Meßbesuch nicht zu einer lästigen Pflicht wird, um dann wieder eine Woche Ruhe zu haben.

Gottesliebe, Nächstenliebe halten damit eine Familie zusammen, und gerade dann vor allem in schwierigen Zeiten, wo man erst recht zusammenhalten muß. Da wirkt noch ganz besonders die sakramentale Gnade aus der Ehe, die gerade auch dafür gegeben wird, um schwierige Situationen zu überwinden.

Dann, in einem zweiten Punkt, ganz kurz nur: die Familie ist ein Segen für Staat und Gesellschaft. Aus guten Familien gehen gute Staatsmänner hervor, die das Land regieren, katholische Staatsmänner. Aus guten Familien gehen Priester hervor, Ordensleute, die wichtig sind für den Fortbestand der katholischen Kirche. Also beide Ebenen, und deshalb hat unser Herr Jesus Christus nicht umsonst beide Stände mit einem Sakrament versehen, für die Familie die Ehe und für den Priester- und Ordensstand das Weihesakrament, vor allem also für die Priester das Weihesakrament.

Und nun haben die Feinde der Kirche, beziehungsweise die Feinde Gottes das sehr wohl erkannt, wie ganz zentral wichtig die Familie ist. Die Zerstörung der christlichen Familie durch die antichristlichen Kräfte. Wenn die Revolution der Feinde Gottes gelingen soll, muß zuerst das Herz der Gesellschaft, die Familie, zerstört werden. Und so haben immer mehr die Feinde Gottes die Regierungen der Länder übernommen und antichristliche Gesetze gemacht. Die Ehescheidung: wieviele Ehen gehen heute kaputt, auseinander, und werden geschieden zum Schaden der Kinder. Die Ehescheidung reißt ganze Familien auseinander, nimmt den Kindern ein Stück Geborgenheit in der Familie, die, wie wir schon sagten, so wichtig ist.

Die Abtreibung verhindert, daß Kinder überhaupt entstehen, läßt auch oft traumatisierte Frauen zurück und richtet auch unermeßlichen Schaden an in der Gesellschaft, abgesehen davon natürlich, was es bedeutet, ungeborenes Leben, unschuldiges Leben, die schwächsten Glieder der Gesellschaft einfach zu beseitigen.

Die Empfängnisverhütung verhindert kinderreiche Familien und degradiert die Frau oft zum bloßen Objekt der Begierde des Mannes und ist keinem höheren Zweck mehr übergeordnet. Auch das führt eben dazu – man könnte sagen, es ist geradezu eine frauenfeindliche Regelung – daß die Frau auch in ihrer Würde nicht mehr ernstgenommen wird.

Und die „Ehe für alle“ jetzt, die also immer noch mehr ein Stück bergab, weiter bergab führt bis hin zur Zerstörung der traditionellen Familie, und das ist gewollt. Und die Revolution auf diesem Gebiet, wir sehen es, Gott sei es geklagt, ist schon sehr weit fortgeschritten.

Was können wir tun? Nun, wir sind keine Politiker, wir haben nicht die Macht, bestimmte Gesetze zu ändern, die Menschen, die uns gleichgesinnt sind, sind leider nur noch eine Minderheit im Staat, das heißt aber nicht, daß man resignativ jetzt den Kopf senken und aufgeben darf. Wichtig ist es, daß man Interessengemeinschaften bildet, daß man da, an den Orten, wo der wahre Glaube noch gelebt wird, zusammensteht, für einander da ist, sozusagen eine Familie in erweitertem Kreis bildet. Sich gegenseitig stärken und helfen: das ist auch ein Grund dieser Familientreffen, wo wir heute eines davon abhalten wollen – also damit eben auch erst recht nicht nur das Treffen von Eltern mit kleinen Kindern, sondern es soll ein Austausch (warum nicht?) der etwas älteren Generation mit der jüngeren zustandekommen, um sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen.

Keine katholische Familie, die wirklich katholisch leben will, hat es heute leicht in der Welt, und die Versuchungen sind unzählig heute. Deshalb ist der Zusammenhalt so wichtig. Man darf nicht nachlassen im Eifer, und noch dazu, selbstverständlich, oft vielleicht zur Heiligen Familie beten, nicht nur heute, am heutigen Fest, und sich auch ganz besonders unter den Schutz der Heiligen Familie zu stellen und immer wieder darüber nachdenken, wo wir die Heilige Familie nachahmen können in ihren zahlreichen Tugenden, die sie uns vorgelebt hat. Das gilt für jedes Familienmitglied: der Vater den heiligen Josef, die Mutter die allerseligste Jungfrau Maria, und die Kinder können sich ein Beispiel am Jesuskind nehmen. So wollen wir also heute tatsächlich darum beten: um den besonderen Schutz dieser Heiligen Familie, dass sie gerade unsere Familien hier in Schönenberg, unsere Gemeinde, mit ihren Gnaden begleiten soll, die schwierige Aufgabe der Erziehung wahrzunehmen und dabei auch immer alles zur größeren Ehre Gottes zu machen.

Und so möchte ich schließen mit dem Schlußgebet der heutigen Messe zu Ehren der Heiligen Familie: „Herr Jesus Christus, der du uns labst mit himmlischen Geheimnissen, laß uns dem Vorbild Deiner Heiligen Familie immerdar nachleben, auf daß Deine glorreiche jungfräuliche Mutter mit dem heiligen Josef in der Stunde unseres Todes uns entgegeneile und wir von Dir gnädig in die ewigen Wohnungen aufgenommen werden.“ Amen.

Predigt von Pater Hubert Vogt in der Kirche „Maria, Hilfe der Christen“ in Ruppichteroth-Schönenberg am 13. Januar 2019. Der Charakter des gesprochenen Wortes wurde weitestgehend beibehalten und nur stellenweise leicht geglättet.

JV