Christchurch – das gefundene Fressen

Ist es wirklich nötig, zu sagen, daß Attentate zu verurteilen sind, egal, von welcher Seite und gegen wen sie verbrochen werden? Das ist doch eine jener Selbstverständlichkeiten, über die ein Christ noch nicht einmal reden muß. Da gibt es aber mächtige Institutionen in dieser Gesellschaft, die perfekt orwellsches Zwiedenken beherrschen: „nicht verallgemeinern“, heißt es dann, wenn notorische Bevölkerungsgruppen tätig wurden, „nicht instrumentalisieren“, nicht Wasser auf die Mühlen von „Rechtspopulisten“ gießen.

Und dann geschieht es. Ein Attentäter verübt Anschläge auf zwei Moscheen im fernen Neuseeland, ausgerechnet in einem Ort, der Christchurch heißt. Da hat die Presse ihr Fressen gefunden. Während jeder Attentäter einer bestimmten „Bevölkerungsgruppe“ sofort Verwirrtheit und Unzurechnungsfähigkeit, Verbotsirrtum und kulturell bedingtes Fehlverhalten zugestanden bekommt, wird der „weiße“ Attentäter von Christchurch augenblicklich identifiziert als Rechtsextremist, Fremdenfeind, Islamophober und was der Kampfvokabeln mehr sind.

So ist das. Entsetzen über Christchurch – Schweigen bei Attentaten gegen Christen.

Und, ja: sofort und zuverlässig funktionieren Pawlow und Politpropaganda. Schuld sei die Verhetzung durch einen herbeiphantasierten Bevölkerungsaustausch, hört und liest man im Internet.

Und wenn nun dieser Mann verwirrt, völlig durcheinander und nicht zurechnungsfähig wäre? Darf das sein? Auch auf die Gefahr hin, daß die ganze wunderbare Theorie vom verhetzten Rechten zusammenbricht?

Man konnte sich ein Bild von der wirren Persönlichkeit dieses Mannes machen und seine völlig unsinnigen Thesen lesen. Wenn je ein (Atten)Täter verwirrt und psychisch auffällig war, dann dieser. Inzwischen sind die entsprechenden Seiten bei twitter und viele andere Quellen im Internet offenbar gelöscht – was auch sehr viel aussagt. Auf dieser Internetseite ist das englischsprachige „Manifest“ noch lesbar, als wir diesen Artikel veröffentlichen.

Wer hinter der abscheulichen Tat des mutmaßlichen Attentäters Brenton Tarrant ein „rechtes“ Weltbild vermutet bzw. dieses behauptet, der lügt. Bewußt.

Brenton Tarrant sieht sich als „Öko-Faschist“, er betrachtet die kommunistisch inspirierte Volksrepublik China als besten existierenden Staat und lehnt zugleich die islamische Einwanderung radikal ab. Auch nennt er den rechtsextremen Terroristen Anders Behring Breivik, aber ebenfalls Nelson Mandela als Inspirationsquellen für seine Horror-Tat. Brisant: Brenton Tarrant glaubte offenbar an den menschengemachten Klimawandel, sah sich als radikalen Öko-Aktivisten. Vieles davon paßt ganz und gar nicht zum Weltbild von „Neuen Rechten“ und konservativen Einwanderungskritikern – die nun freilich nichtsdestotrotz von linken Qualitätsjournalisten heftig attackiert werden

Weitere – freilich in vielen Medien ungenannte – Stellen aus dem Manifest verweisen auf ein buntes, oft wirres Weltbild, das sich aus rechts- und linksextremen sowie radikalökologischen Fragmenten zusammensetzt. Wenn das oft beanspruchte Wort vom verwirrten Einzeltäter zutrifft, dann wohl am ehesten im Falle des Killers von Christchurch! Einzelne Stellen aus dem Manifest zeigen klipp und klar die wirre, dubiose Gedankenwelt des mutmaßlichen Täters. Man muß es nur lesen und darf es nicht verschweigen!

JV