Eine andere Aschermittwochsrede

Am politischen Aschermittwoch halten Politiker der meisten Parteien üblicherweise Reden zu allen möglichen (und unmöglichen) Themen aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Leben. Viele dieser Reden sind substanzlos und uninteressant und oft am nächsten Tag schon wieder vergessen.

Wir veröffentlichen heute eine andere Rede. Es ist die Aschermittwochsansprache des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann (AfD-Fraktion) in Johannesberg. Sein Motto, dass er auch im Bundestagswahlkampf für seine Kamapagne gewählt hat, lautet: Gott – Familie – Vaterland, und zwar in dieser Reihenfolge. Martin Hohmann wurde im vergangenen Jahr die Walter-Hoeres-Medaille des Civitas Instituts für besondere Verdienste um die Verteidigung des Naturrechts und der katholischen Soziallehre verliehen.

Hier nun die Rede vom Aschermittwoch 2019 in Johannesberg.

Heute ist Aschermittwoch. Aschermittwoch ist ein kirchlich geprägter Tag. Der Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor dem Osterfest, dem Fest der Auferstehung des Herrn. Von daher wird mein Vortrag in den nächsten 30 Minuten die Themenbereiche Kirche, Glaube und Politik berühren. Das ist auch kein Wunder, war doch das Motto meines Bundestagswahlkampfs 2017 die Begriffs-Trias: Gott – Familie – Vaterland. Selbstverständlich stehe ich zu diesem Dreiklang unverändert auch heute noch. Hinzufügen möchte ich noch: Glaube ist für mich ganz eng verbunden mit Vernunft. Gestatten Sie mir bitte noch die persönliche Bemerkung: Ich bin zutiefst dankbar in den katholischen Glauben hineingeboren worden zu sein. Je mehr ich mich über viele Jahre in Theorie und Praxis des Glaubens hineingearbeitet habe, umso mehr wünsche ich jedermann die gleiche frohmachende Sicherheit, die ich dadurch gewonnen habe.

Erzbischof Johannes Dyba war für mich ein großes Vorbild und ein väterlicher Freund. Er hat über mich gesagt, er sei sehr froh darüber, dass Martin Hohmann „als Mitglied des Bundestages aus dem Wahlkreis Fulda voll auf seiner Seite“ stünde. Das empfand ich als „Ritterschlag“. Auch heute noch klingen mir die Schlussworte seiner äußerst eindrucksvollen Predigt vor 15.000 Pilgern auf dem Fuldaer Domplatz im Ohr: „Credo, Credo, Credo.“

Stellen Sie sich vor, heute würden katholische Bischöfe verhaftet. Ihnen würde der Prozess gemacht und sie würden eingesperrt. Eigentlich kaum vorstellbar. Ist aber tatsächlich passiert. Vor rund 140 Jahren entfesselte der berühmte Reichskanzler Bismarck den „Kulturkampf“ im Deutschen Reich und besonders in Preußen. Unter anderem wurden Klöster geschlossen, in Fulda zum Beispiel wurden die Franziskanermönche aus dem Kloster Frauenberg vertrieben – das geschah erneut zur NS-Zeit. In den 1870er Jahren wurde Kircheneigentum beschlagnahmt, 250 Priester wurden vor Gericht gestellt, viele Pfarreien waren vakant.

Anlass war das 1870 in Rom verkündete Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in Fragen des Glaubens und der Sitte. Von diesem Dogma wurde bisher nur einmal Gebrauch gemacht. Papst Pius XII. verkündete 1950, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden sei. Dieses Dogma wurde also von Bismarck benutzt, um weiterreichende gesetzliche Maßnahmen gegen die damalige katholische Amtskirche und die in nationaler Hinsicht als unsichere Kantonisten hingestellten Katholiken durchzusetzen. Das war Ausgrenzung. Das war Diskriminierung. Unbeabsichtigte Nebenwirkung des Kulturkampfes war allerdings die Stärkung des Katholizismus und der Zentrumspartei als politischer Hebel des Katholizismus. Geblieben war im Kaiserreich und in der Weimarer Republik das Gefühl der Katholiken, nur Bürger zweiter Klasse zu sein. Folglich band man sich eher noch stärker an Rom, an die katholischen Glaubensätze und scharte sich um die Bischöfe.

Dies wiederum hatte Folgen bis in die Zeit des politischen Kampfes in der Weimarer Periode. Woran kann man das unzweideutig festmachen? Die damaligen Wahlergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. In den katholisch geprägten Landstrichen hatte die katholische Zentrumspartei klare, oft absolute Mehrheiten. So errang bei der wichtigen Reichstagswahl am 6.11.1932 die NSDAP in Fulda 3.200 Stimmen, das Zentrum hingegen 8.400 Stimmen. Als Beispiel für eine Landgemeinde sei meine Heimatgemeinde Neuhof genannt: NSDAP 170 Stimmen; Zentrum 910.

Die Katholiken waren für nationalistische Töne wenig empfänglich. Nach dem Urteil des evangelischen Kirchenhistorikers Gerhard Besir blieb „der Katholizismus – im Gegensatz zum Protestantismus – von einem Einbruch der NS-Ideologie in Kultus und Lehre weitgehend verschont“. Ein anderer Historiker stellt fest: „Das aktive, katholische Kirchenvolk, zwar kleiner geworden, aber beharrlich in seinen religiösen Gewohnheiten, entzog sich wie keine andere Großgruppe dem weltanschaulichen Verfügungsanspruch des NS-Regimes“. Resümierend stellt der renommierte Parteienforscher Jürgen W. Falter fest: „Protestanten waren im Schnitt doppelt so anfällig gegenüber der NSDAP, wie Katholiken.“ Er kommt zu dem Schluss: „Hätte es nur Katholiken gegeben, wäre es wohl nie zu einer nationalsozialistischen Machtübernahme gekommen“. Das muss man zweimal sagen: „Hätte es nur Katholiken gegeben, wäre es wohl nie zu einer nationalsozialistischen Machtübernahme gekommen“.

Dieses Faktum hängt auch mit der von Bismarck provozierten Abwehrhaltung der Katholiken im Kulturkampf zusammen. Für uns heutige Katholiken ist das Verhalten unserer Vorgänger in der Weimarer Zeit sicher kein Grund zu abgehobenem Stolz. Vorbild für heute können diese unsere Vorgänger aber schon sein. Und immerhin ist es die geschichtliche Wahrheit. Auch waren in der NS-Zeit katholische Priester die am meisten verfolgte Berufsgruppe. 241 von ihnen sind damals  mit oder ohne Gerichtsverfahren ermordet worden. Von den Repressalien gegen katholische Laien nicht zu reden. Was wir als Katholiken von heute uns deswegen nicht gefallen lassen, ist die üble, linke Propaganda, Katholiken seien Steigbügelhalter der Nazis gewesen. Nein, das Gegenteil ist der Fall.

Führen wir uns das einen Moment lang vor Augen. Hitler, der zweite Weltkrieg und die einzigartige Judenvernichtung wären unterblieben, wenn mehr Deutsche eine solche starke kirchliche Bindung gehabt hätten und an ihrem christlichen Glauben unbeirrt festgehalten hätten. Millionen unschuldige Menschen hätten weitergelebt. Die größte, reale und moralische Katastrophe unserer deutschen Geschichte wäre unterblieben.

Von dem US-amerikanischen Philosophen spanischer Herkunft George Santayana (1863-1952) stammt der Satz: “Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen”.

Haben wir aus der Unheilsgeschichte vor und während der NS-Zeit gelernt? Gerade linksgrüne Meinungsmacher und Politiker sind vollkommen überzeugt, heute befinde sich unser Land auf einem guten, weil „fortschrittlichen“ Kurs. Auch deswegen auf einem guten Kurs, weil Bindungen an christliche Grundsätze gelockert wurden. Nicht nur gelockert wurden sie, sie wurden oft ganz über Bord geworfen. Zu den größten Errungenschaften zählt für die Liberal-Links-Rot-Grünen die Abtreibung. Sie ist bei uns leicht zu erreichen und gilt inzwischen geradezu als „Gewohnheitsrecht“. Seit 1976 sind nach offiziellen Zahlen mindestens 5,5 Millionen ungeborene Menschen in Deutschland Opfer der Abtreibung geworden. Nach anderen Quellen sind es mehr als 10 Millionen getötete Kleinstkinder.

Wenn einerseits die Würde des menschlichen Lebens in Art. 1 GG als der höchste und „unantastbare“ Wert bezeichnet wird, auf der anderen Seite jährlich rund 4.140 Schulklassen getötet werden, so ist das ein moralischer Offenbarungseid, ein moralisches Desaster. Ein Volk, eine Gesellschaft schreibt sich Humanität und Fortschritt zu. Und zum sog. Fortschritt gehört der massenhafte Tod von unschuldigen, ungeborenen Menschen. In der „Mitte der Gesellschaft“, in einem der reichsten Länder der Welt fließt jeden Werktag das Blut unschuldiger Kinder. Unschuldiges Blut schreit zum Himmel (Gen 4, 10). Jeder urteilsfähige Erwachsene ist Mitwisser. Haben wir wirklich aus der Geschichte gelernt? Gibt es noch nennenswerten Widerspruch gegen diesen Dauerskandal? Widerspruch gibt es vereinzelt aus der katholischen Kirche, von Vereinigungen sogenannter Lebensschützer, von einzelnen CDU-/CSU-Abgeordneten und ziemlich geschlossen von unserer Partei, der AfD.

Hier in Fulda beten Lebensschützer an jedem 28. Dezember öffentlich seit vielen Jahren an der Mariensäule am Frauenberg. Regelmäßig nimmt der katholische Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen daran teil, segnet die Teilnehmer und ermuntert zu weiterem Engagement.

In jedem Sommer veranstaltet die Vereinigung EuroProLife – wie in anderen Städten auch in Fulda – einen ökumenischen Gebetszug “1000 Kreuze für das Leben“. Vor dem Stadtschloss und vor der Stadtpfarrkirche wird dabei öffentlich auf Knien für das werdende Leben gebetet.

Auch in Berlin wird seit 2002 alljährlich auf den Skandal der massenhaften Abtreibung aufmerksam gemacht. Der Bundesverband Lebensrecht veranstaltet einen „Marsch für das Leben“. Wie bei den vorgenannten Aktionen war ich auch bei dem Berliner Marsch regelmäßig dabei. Ihn gibt es seit dem Jahr 2002. Er führt inzwischen vom Hauptbahnhof zum Berliner Dom. Auffälliges Merkmal des Schweigemarsches sind die verhetzten, jungen Gegendemonstranten und ihre laut gebrüllten Slogans. Unter anderem: „Christentum ist Scheiße, ihr seid die Beweise.“ Mehr als ein Wermutstropfen: die evangelische Kirchengemeinde des Berliner Domes stellt den Dom nicht für einen Abschlussgottesdienst für die Teilnehmer des Marsches zur Verfügung.

Das sind vor allem entschiedene Christen der beiden großen Kirchen. 2018 war ich mit dem fast 90-jährigen, evangelischen Pastor Uwe Holmer, seinem Sohn,  Pastor  Johannes Holmer, und seiner Familie, dabei. Uwe Holmer gab übrigens ein bedeutendes Zeichen für gelebte Nächstenliebe: Als das Ehepaar Honecker auch bei seinen linken Gesinnungsgenossen keinen Unterschlupf mehr fand, nahm Uwe Holmer die Honeckers für mehrere Monate in sein Haus auf.

Auch der katholische Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer war schon mehrfach  unter den Teilnehmern.

In den USA, in Washington, ist der „Marsch für das Leben“ ein echtes Großereignis mit mehreren hunderttausend Teilnehmern, darunter viele Bischöfe und Priester und geehrt mit einem Grußwort des jeweiligen Präsidenten, wenn es sich um einen Republikaner handelt. Die fünf- bis achttausend Berliner Teilnehmer nehmen sich dagegen gering aus. In den USA wurde die Abtreibungsgesetzgebung und die Abtreibungspraxis mit dem Holocaust der Nazis verglichen. Auch wurde feministischen US-Abtreibungsbefürwortern vorausgesagt, gegen sie es werde in den Vereinigten Staaten einst Strafprozesse geben, den Nürnberger Prozessen vergleichbar.

Das führt zu der Frage nach der Verantwortung für das heutige Abtreibungsgeschehen. Klar ist eines: Wenn wir alle den 10 Geboten und dem christlichen Tötungsverbot verbunden wären, gäbe es keine Abtreibung. Würden wir die Hauptforderung der christlichen Ethik, das absolute Tötungsverbot, in unserem Staat ernstnehmen und umsetzen, hätten wir 6 bis 10 Millionen Menschen mehr. Unter ihnen könnte ein neuer Beethoven, ein neuer Einstein oder eine neue Mutter Theresa sein. Und niemand würde über die vermeintliche Notwendigkeit von Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen sprechen.

Wird hingegen der gegenwärtige Irrweg fortgesetzt – Zuwanderung überwiegend passloser, kulturfremder, minderbegabter und schlecht ausgebildeter Orientalen und Nordafrikaner –, dann ist bald die Kipp-Phase erreicht. Uns geht es dann im eigenen Land wie im Alten Testament beschrieben:

„Der Fremdling in deiner Mitte wird über dich aufsteigen und immer oben stehen. Du aber wirst herabsteigen und unterliegen. Er wird das Haupt sein und du wirst der Schwanz“ (5. Mose 28.12-13).

„Den Ertrag deines Ackers und all dein Gewinn verzehrt ein Volk, das du früher nicht einmal gekannt hast, und du wirst dein Leben lang nur ausgebeutet und misshandelt“ (5. Mose 28.33). „Wahnsinn befällt dich bei dem Anblick, der sich deinen Augen bietet“ (5. Mose 28.34).

Von den düsteren Prophezeiungen für das Volk, das von Gottes Weg abgeht, wieder zurück zu der Frage: Wer hat Schuld an der massenhaften Abtreibung? Wer wird zur Verantwortung gezogen? Jedenfalls nicht, wer seit Jahrzehnten vor dem Abtreibungsdesaster gewarnt hat.

Zwischenresümee: Es hat sich also gezeigt, wie segensreich es für unser Volk war bzw. gewesen wäre, hätte es seine Entscheidungen aus christlichem Glauben heraus gefällt. Der zweite Weltkrieg wäre wohl vermieden worden, ebenso wie der Abtreibungsholocaust.

Wie steht es mit weiteren „fortschrittlichen“ Vorhaben oder Ergebnissen aus der grünlinken Politikwerkstatt  und ihrer Vereinbarkeit mit christlichen Glaubensgrundsätzen?

Die „Ehe für Alle“, auch von 75 CDU-/CSU-Abgeordneten in namentlicher Abstimmung abgesegnet, zerstört die zwei Jahrtausende alte, christliche Institution und definiert das Wort „Ehe“ neu. Was Generationen lang unhinterfragt und ausschließlich als Verbindung von Mann und Frau galt, ist jetzt „geöffnet“. Derzeit für gleichgeschlechtliche Zweierbeziehungen. Bei nur zweien muss es nicht bleiben. Die Polygamie lässt grüßen.

Das Gender-Mainstreaming, bei uns 1999 durch die demokratische Hintertür von der ersten rot-grünen Regierung eingeführt geht auf die US-amerikanische, lesbische Professorin Judith Butler zurück. Unterschiede der Geschlechter seien nicht biologisch, sondern durch soziale Festschreibungen bestimmt und jederzeit änderbar.

Auf der Weltfrauenkonferenz von 1995 in Peking wurden unverbindliche Beschlüsse gefasst. Inzwischen ist das sogenannte Gender-Mainstreaming mit völlig irren Folgen in Berlin und in den Ländern auf einem unaufhaltsamen „Siegeszug“. Aus etwas ganz Unverbindlichem wurde in wenigen Jahren ein verfestigtes, politisches Handlungskonzept. Nun haben wir ganz viele Geschlechter. Manche sagen 64, Manche sagen noch mehr. Wenn Sie ein Facebook-Profil haben, dann wissen Sie: Sie können seit einiger Zeit zwischen einem oder mehreren von 60 Geschlechtern entscheiden; darunter „Inter-Sternchen-Männlich“, „nicht-binär“, „bigender“, „genderqueer“ oder auch, je nach Tageslaune, „Cross-Gender“ und „Transgender Mensch“.

Fest steht: Hier wird eklatant der christlich-jüdischen Weltsicht widersprochen. Nach der Schöpfungsgeschichte schuf Gott den Menschen nach seinem Abbild als Mann und Frau. Jedem der beiden Geschlechter gab er damit eine eigene Identität und Aufgabe. Die Biologie als exakte Wissenschaft steht auf Seiten der Schöpfungsgeschichte. Die Biologie ist völlig eindeutig: aus jeder menschlichen Körperzelle lässt sich entweder das eine oder das andere Geschlecht feststellen. Gerade in der Zeit des Heranwachsens mit seiner tastenden Unsicherheit ist es für junge Menschen gut, sich in eine klare Rolle als Frau oder Mann einfinden zu können. Diese Klarheit wird durch angebliche 64 Geschlechter bei der Identitätssuche des jungen Menschen zerstört. Und so ist der Genderismus nach den Worten von Papst Franziskus eine „dämonische Ideologie“. Schon Papst Benedikt hat ihn 2012 kritisiert.

Die Zwangsfrühsexualisierung, wie sie von den Grünen in der letzten Legislaturperiode auch im Hessischen Landtag durchgesetzt und von dem CDU-Kultusminister Lorz umgesetzt wurde, ist ein weiterer, klarer Verstoß gegen christliche Erziehungsgrundsätze. Deswegen hatte auch der Bischof von Fulda opponiert. Ebenso übrigens der Landeselternbeirat. Unsere Kinder sollen nach diesem neuen Sexualkundelehrplan „wertschätzende Akzeptanz“ für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intersexuelle Menschen aufbringen. Die verlangte „wertschätzende Akzeptanz“ für Homosexuelle steht im klaren Widerspruch zu den Forderungen christlicher Ethik, die aus dem Neuen Testament abgeleitet werden.

Frei vollzogene homosexuelle Akte gelten nämlich aus katholischer Sicht  als schwere Sünde.

Die Grünen wollen am liebsten den natürlichen Lebensraum von Obstfliegen schützen. Nicht jedoch den natürlichen Lebensraum von Kindern: Die Familie. Aus Mann und Frau und Kindern. Und nicht aus „Elter 1 und Elter 2“ und Kindern. Es sind nicht nur die Grünen, sondern leider Unionspolitiker. In Schriften vom SPD-Bundesfamilienministerium ist die Rede vom „Aufbrechen traditioneller Rollen“. In Zeiten, in denen Toleranz für den letzten linken Quatsch gefordert wird, wird der traditionellen Familie und der Ehe zwischen Mann und Frau Verachtung und Intoleranz entgegengebracht. Auch hier sind gewisse Kirchenvertreter keinen Deut besser. Die evangelische Bischöfin Petra Bosse-Huber sagte auf dem Kirchentag 2017:

„Es braucht noch viel theologische Arbeit, um die Bilder auszurotten, dass nach der Bibel Mann und Frau füreinander geschaffen sind.“

Ich bin sprachlos. Evangelischen Kirchentage sind inzwischen offensichtlich zu linksgrünen Rummelplätzen verkommen. 

Die Zerschlagung, oder um bei dem Worten der evangelischen Bischöfin zu bleiben, die „Ausrottung“ der traditionellen Familie, die Entwertung der Ehe und die Gender-Zwangsfrühsexualisierung in Schulen und Kindergärten hängen stark miteinander zusammen. Verbindend ist die klar antichristliche Stoßrichtung all dieser Initiativen. Daher sollte sich jeder bewusste Christ und jeder echte Konservative gegen derartige Attacken und Zumutungen wehren.

Unlängst aber erlebten wir Angriffe aus ganz anderer Richtung. Kardinal Reinhard Marx störte sich am Begriff vom „christlichen Abendland“. Davon hält er nicht viel, weil „der Begriff vor allem ausgrenzend ist“. Auch störte er sich an Kreuzen in öffentlichen Gebäuden. Ministerpräsident Markus Söder hatte angeordnet, solche am Eingang aller öffentlichen Landesgebäude anzubringen. Dadurch, so Kardinal Marx, entstehe „Spaltung, Unruhe und Gegeneinander“. Zwar empfahl Marx, „verbal abzurüsten“. Im gleichem Atemzug riet er jedoch Christen, auf Abstand zur AfD zu gehen und eine „rote Linie“ nicht zu überschreiten. Mir scheint der Kardinal auf einem Anpassungskurs an die Sprachregelung der Altparteien zu sein. Das lebens- und familienbejahende Programm der AfD und die exzellenten Reden von AfD-Vertretern, z.B. von Nicole Höchst, Beatrix von Storch und Martin Reichardt, zum Thema Abtreibung sind offensichtlich an ihm vorübergegangen. Aber wer kann schon einen Kirchenführer ernst nehmen, der sein Brustkreuz auf dem Tempelberg versteckt, um die islamischen Gastgeber nicht zu kränken – während hundert Kilometer weiter Christen durch eben jenen Islam gemordet werden, weil sie sich zum Kreuz bekennen?

Auch Kardinal Woelki aus Köln machte mit einer merkwürdigen Aktion auf sich aufmerksam. Er benutzte ein Flüchtlingsboot als Altar bei der Fronleichnamsprozession. Wie kann er sicher sein, dass nicht  auch aus diesem Boot zuvor Christen von Muslimen ins Mittelmeer geworfen wurden und ertranken. Das ist nachweislich mehrfach geschehen.

Diesen bedeutenden Kirchenführern möchte man zurufen: „Fragt euch, warum die Zahl der praktizierenden Gläubigen stetig abnimmt! Seid keine schlechten Kopien rotgrüner Politiker, sondern authentische Glaubensboten! Öffnet euch dem Heiligen Geist, nicht dem Zeitgeist (nolite confirmari huic saeculo Röm 12,2)! Klammert euch nicht an die Geldsäcke der Kirchensteuer!“

Aber vielleicht reden manche Kirchenführer den Politikern der Altparteien auch deswegen nach dem Munde, um diese wertvolle Pfründe zu verteidigen: Die Kirchensteuer. Rund 8 Mrd. Euro kommen bei der katholischen und 7 Mrd. Euro bei der evangelischen Kirche jährlich an. Sehr verständlich, dass zur Erhaltung dieses Status quo die Regierungspolitiker verbal umschmeichelt werden. Eine Ausnahme ist Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt. Er regt an, über den Abschied von der Kirchensteuer nachzudenken. Das gleiche hat Papst Benedikt XVI. in seiner Freiburger Rede getan, als er von einer Entweltlichung der katholischen Kirche sprach. Eine ärmere Kirche ist immer auch eine glaubwürdigere Kirche.

Abschließend möchte ich auf die Nähe der Lehre der katholischen Kirche zu einem gesunden, natürlichen Patriotismus hinweisen. So sagt Papst Johannes Paul II: „Für einen Chri­sten bleibt der Dienst für das irdische Vaterland – ähnlich der Liebe zur eige­nen Familie – Pflicht.“ Die polnische Bischofskonferenz hat 2017 heraus­gestellt: „Der Patriotismus ist eine Ver­pflichtung und verbindet uns mit dem vierten Gebot.“

Und der größte Kirchenlehrer des Mittelalters, der heilige Thomas von Aquin, spricht von einem notwendig abgestuften Liebesgebot, da wir nicht Alles und Alle in gleicher Weise lieben können. Für Thomas steht „Gott an der Spitze, denn Er ist die höchste Vollendung und das erste Prinzip unseres Seins und Tuns. In zweiter Linie kommen die Eltern und das Vaterland, von denen wir erzeugt und genährt worden sind. Also nach Gott ist der Mensch am meisten Schuldner den Eltern und dem Vaterlan­de.“ Um das mit den Worten meines Slogans zusammenzufassen:

Gott, Familie, Vaterland“.