12. Civitas-Kongreß sehr erfolgreich

Das Thema des 12. Civitas-Kongresses war nur scheinbar ein wenig trocken: der sehr gute Zuspruch zeigte, daß „Der Katholik und die Wirtschaftsordnung“ durchaus auf großes Interesse stieß. Der Saal im Bonner Priorat war dank geschickter Bestuhlung gerade groß genug für die Kongreßteilnehmer.

In der Predigt während des feierlichen levitierten Hochamts stellte Hw. Herr Pater Schmidberger, der geistliche Beirat des Instituts, in der ihm eigenen klaren und eindeutigen Weise heraus, daß die Maxime „Jedem das Seine“ vor allem auch bedeute, daß Gott auch im Leben des Staates den ihm gebührenden Platz einnehmen müsse.

Angesichts der zunehmenden Marginalisierung, schlimmer noch der wachsenden Verfolgung der Christen überall in der Welt sei eine gewisse Sezession, eine Abtrennung von der nachchristlichen Gesellschaft eine Option im Sinne des Buches „Die Benedikt-Option“ des Amerikaners Rod Dreher. Inwieweit diese von amerikanischen Gegebenheiten geprägte Alternative auf Verhältnisse in anderen Gesellschaften übertragbar sei, untersuchte André F. Lichtschlag im ersten Vortrag des Tages. Die Schaffung christlich geprägter Strukturen wie z.B. um die Schulen der Priesterbruderschaft St. Pius X. herum seien in diesem Sinne gute Schritte, sagte der Verleger und Herausgeber der Zeitschrift „eigentümlich frei“. In seinem Vortrag verwies er unter anderem auch auf das grundlegende Buch von Igor Schafarewitsch über den „Todestrieb des Sozialismus“, das wir hier besprochen haben und nachdrücklich nochmals zur Lektüre empfehlen.

Großes und begeistertes Echo fand am Nachmittag der zweite Vortrag. Dr. Felix Heider sprach über „Die Wettbewerbsordnung als Option der katholischen Soziallehre“; es gelang ihm, die Zusammenhänge auch für Nicht-Wirtschaftswissenschaftler so faßlich darzustellen, daß die anschließende Fragerunde auch noch in die folgende Kaffeepause hinein verlängert wurde.

Der dritte Vortrag des Kongreßtages wurde von Prof. Dr. Walter Ockenfels O.P. zum Thema „Die naturrechtliche Wirtschaftsordnung der katholischen Soziallehre“ gehalten. Auch dieser Vortrag, oft geprägt vom rheinischen Humor des Referenten, machte den Teilnehmern die Zusammenhänge und die Wirksamkeit des Instrumentariums der katholischen Soziallehre deutlich.

Den Abschluß bildete die Verleihung der Walter-Hoeres-Medaille an Prof. Ockenfels. In der Laudatio wurde betont, daß er ein unbeugsamer Verteidiger des Naturrechts ist und sich auf vielfältige Weise und durch zahlreiche Tätigkeiten und Funktionen (unter anderem als Herausgeber der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“) um das Naturrecht verdient gemacht hat. Die Verleihung der Medaille erfolgte durch Frau Barbara Hoeres, die Witwe des großen, unvergessenen katholischen Philosophen.

Allgemein wurde der 12. Civitas-Kongreß, zu dem die Teilnehmer auch aus großer Ferne angereist waren, als sehr gelungen bezeichnet. Das neue Konzept der Beschränkung auf einen Kongreßtag mit längeren Pausen für Gespräche und Kontaktpflege fand große Zustimmung.

JV