Schiller und die Mehrheit(en)

Friedrich von Schiller (1759 – 1805) war bekanntlich in seinen jungen Jahren ein Rebell gegen starre Konventionen und Einengungen. Die Epoche der „Aufklärung“ forderte Freiheit und Toleranz (was immer darunter zu verstehen ist), und man ist immer Kind seiner Zeit, schließlich geht man nicht durch den Regen, ohne naß zu werden.

Der junge Schiller wurde folgerichtig im Jahr 1792 sogar Ehrenbürger der durch die Revolution entstandenen französischen Republik.

Die mörderische Umsetzung der Revolution jedoch führte bald zu Besinnung und Umkehr. Ohne den Blick auf die wesentlichen und berechtigten Bedingungen für ein gesellschaftliches Zusammenleben zu verlieren, sah Schiller gewisse politische Bewegungen seiner Zeit immer kritischer – es ist hier nicht Zeit und Ort, darauf näher einzugehen.

Der Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker hinterließ 1805 das Fragment „Demetrius“, es wurde erst 1857 in Weimar uraufgeführt. Und in diesem Stück läßt er den Fürsten Sapieha die bedenkenswerten Worte sprechen:

Die Mehrheit?
Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn,
Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
Um Brot und Stiefel seine Stimm verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

JV