Paris: Allahu akbar im Invalidendom

Bild: Civitas-Archiv

Nicht erst seit der Revolution von 1789, sondern bereits vorher war die Kirche in Frankreich Ziel jeder Art von Bedrängnis, die dann seit der Revolution zunehmend zur Verfolgung wurde, und zwar zu ganz brutaler Verfolgung. Eine solche brutale Verfolgung ist heute nicht mehr notwendig. Die offizielle Kirche in Frankreich liegt am Boden. Pfarreien von Bistumsgröße, so gut es geht verwaltet von einem völlig überalterten Klerus, verfallende Kirchen im Staatsbesitz… Jedes Nachtreten gegen die darniederliegende Kirche und den praktisch verdunsteten Glauben ist völlig unnötig geworden. Eine gewisse Ausnahme bildet die Tradition, die auch in Frankreich frische und schöne Blüten treibt.

Ein ganz bezeichnendes Bild für diese traurige Gegebenheit ist die Meldung, daß die „Philharmonie des Kosovo“ (bitte nicht grinsen!) „auf Initiative der Botschaft des Kosovo in Paris ein „Konzert“ im Invalidendom gegeben hat, und zwar „zur Feier des zwanzigsten Jahrestages der Befriedung des Kosovo“ (und da gibt es wirklich nichts zu grinsen). Daß der üble Kriegszug gegen Serbien, der auf Lügen basierte, nun schon zwanzig Jahre vorbei ist: tempus fugit – die Zeit flieht.

Auf dem Programm des Konzerts stand ein Werk mit dem Titel „Der bewaffnete Mensch: eine Messe für den Frieden“ von 1999. Es stammt von dem walisischen Keyborder, Oboisten, Saxophonisten und Komponisten (so wikipedia) Karl William Pamp Jenkins, der für eher fade Schnulzen und nichtssagend hohle Fanfaren bekannt ist.

Das „Werk“ beginnt mit dem mittelalterlichen Lied „Der bewaffnete Mensch“, das seinerzeit sehr bekannt war und zahlreiche Komponisten inspiriert hat.

Direkt danach, und zwar vor dem (aber ja: gregorianischen) Kyrie gab es den islamischen Gebetsruf. Auf arabisch. Muezzinischer geht es nicht:

Allahu Akbar
Allahu akbar
Ashhadu alla illaha illallah
Ashhadu alla illaha illallah
Ashhadou anna Muhammadan Rasulu l-lah
Ashhadou anna Muhammadan Rasulu l-lah
Hayya Ala s-salah
Hayya Ala s-salah
Hayya Ala l-Falah
Hayya Ala l-Falah
Allahu Akbar
Allahu Akbar
La Ilaha illallah

Allah ist der Größte. Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah. Ich bezeuge, dass Mohammed sein Gesandter ist. Kommt schnell zum Gebet. Kommt schnell zum Erfolg. Allah ist der Größte. Es gebt keinen Gott außer Allah.

Dieser Ruf erscholl am 22. Mai in der Kathedralkirche St. Louis des Invalides, welche direkt an den Invalidendom gebaut ist, mitten in Paris. Sie ist die Kathedralkirche des französischen Militärbistums. Und die Zuständigen des sich immerhin katholisch nennenden Militärbistums? Nun: sie waschen sich die Hände in Unschuld:

„Das Militärbistum ist Nutzer und nicht Besitzer der Kathedrale Saint Louis des Invalides. Besitzer ist das Armeemuseum. Das Militärbistum kann nicht über Konzerte entscheiden, die dort stattfinden; es wurde auch nicht am Inhalt des Konzertes beteiligt, welches dort unter der Federführung der Botschaft des Kosovo in Paris organisiert wurde.“

Eine solche Kirche muß wirklich nicht mehr brutal verfolgt werden. Es tut so weh… ! – Frankreich war in der Neuzeit immer ein Experimentierfeld für den Umbau einer Gesellschaft nach den Vorstellungen gewisser Gruppierungen. Die Ergebnisse des Experiments wurden dann auf die anderen Länder Europas übertragen. Welche Aussichten!

Nun warten wir aber erst einmal auf die Nachricht, daß eine Heilige Messe (mit Credo – von welchem Komponisten auch immer!) in der Großen Moschee von Pristina gefeiert wurde.

JV