Was man in Polen sagen kann – aber wie lange noch?

Bild: Civitas-Archiv

„Die Zeit der roten Pest ist vorbei. Das heißt nicht, daß es nicht eine neue Pest gibt. Ein freies Polen ist entstanden, auch wenn es lange dafür gebraucht hat. Die Zeit der roten Pest ist vorbei, glücklicherweise, aber das heißt nicht, daß nicht eine neue Pest unsere Seelen, unsere Herzen und unseren Geist kontrollieren will. Sie ist nicht marxistisch, sie ist nicht bolschewistisch – aber sie ist von demselben Geist. Nicht rot, sondern regenbogenfarbig.“

Das sind Worte des Erzbischofs von Krakau, S.E. Marek Jędraszewski, gestern, während einer Messe in der Marienbasilika anläßlich des 75. Jahrestages des Warschauer Aufstandes.

Er zitierte den lateinischen Satz „summum jus, summa injuria“ (das höchste Recht ist das höchste Unrecht) und erklärte: „Im Namen der Buchstaben des Gesetzes kann man Unrecht tun. Die größte Toleranz ist auch die höchste Intoleranz. Gewalt, Demütigungen, Spott gegen die heiligsten Dinge – Unsere Liebe Frau von Tschenstochau nämlich – kommt von den Lippen derer, die nach Toleranz rufen, und das auch noch am Tag des Gedenkens an diesen Tag des polnischen Kampfes. Das Gedenken an die Gräber drängt uns, uns zu verteidigen, und auch eine wahre Freiheit zu verteidigen.“

In der BRD fanden diese Worte es Erzbischofs kein Echo, die französische Nachrichtenagentur AFP erwähnte des Namen des Erzbischofs nicht, der von Johannes Paul II. 1997 zum Bischof ernannt worden war, und nutzte den kurzen Bericht lediglich für antikatholische Propaganda. Es bleibt zu bemerken, daß dem Erzbischof in Krakau… ja: applaudiert wurde.

Einschub 1: Die gleichgeschalteten französischen Qualitätsmedien allerdings fahren momentan das ganz große Programm, dessen Strickmuster wir ja in der BRD auch immer wieder neu erfahren dürfen. „Polen: vom anti-LGBT-Haß zerfressen“, titelt La Croix ( laut wikipedia „römisch-katholische Tageszeitung mit Sitz in Montrouge in der Métropole du Grand Paris“ ). „Polen: Gay-Pride-Parade von Ultranationalisten angegriffen“ (Le Figaro). „Ein LGBT-Pride-Marsch in Bialystok, der nationalistischen Bastion in Polen, wird zum Alptraum“ (Le Monde). Und die Bilanz dieses „Alptraums“, dieses „Pogroms“, wie der Führer der LGBT-Partei Wiosna („Frühling“), Robert Biedron es nannte? Kein Toter, ein 14jähriger von einem Hooligan am Schlüsselbein verletzt (der Hooligan wurde verhaftet), ein anderes Opfer wurde bedroht und beraubt, eine Polizistin am Bein verletzt, kein brennendes Auto, keine eingeworfene Schaufensterscheibe (der Marsch fand bereits am 20. Juli statt). Tatsächlich hatte dieser Marsch zahlreiche Gegendemonstrationen provoziert. Einigen hundert militanten LGBT-Aktivisten standen tausende Menschen gegenüber, die gegen die antikatholischen Provokationen und Lästerungen während anderer LGBT-Demonstrationen in Danzig, Warschau und Tschenstochau protestierten.

Am Anfang steht jene von (oft nationalistischen Kreisen nahestehenden) Fußballfans organisierte Gegendemonstration. Sie waren aus ganz Polen gekommen, um „die Stadt gegen diese Perversen zu verteidigen“, denn „man hat ja die Demonstrationen in Warschau, Danzig und Tschenstochau gesehen, bei denen religiöse Symbole des christlichen Glaubens öffentlich geschändet und verspottet wurden.“ Ergebnis des Ganzen: einige Zusammenstöße mit der Polizei, welche die Demonstranten schützte, und mehrere Dutzend Verhaftungen. Und natürlich nutzte die Linke das alles für den Wahlkampf: sie organisierte in Bialystok eine Woche später eine Demonstration gegen Haß und Gewalt. Aber allem Anschein nach nur dann, wenn es um das LGBT-Milieu geht…

Einschub 2: S.E. Jędraszewski zelebrierte bei seiner Amtseinführung 2017 ad orientem; seine Berufung „wunderte“ liberale Kreise, gilt er doch als relativ regierungsnah. In seiner ersten Predigt als Erzbischof von Krakau sagte er, an Jesus Christus gerichtet: „Wir Polen stehen vor dir, gemeinsam mit unseren geistlichen und weltlichen Machthabern, um deine Herrschaft anzuerkennen. Um uns deinem Recht zu unterwerfen und dir unser Vaterland anzuvertrauen und die ganze Nation.“

Die oben angesprochene Regenbogenpest, das sind eben diese LGBT-Provokationen, die sich in diesem Jahr in Polen mehren. Es gab Demonstrationen wie z.B. in Tschenstochau, die zeitgleich zu Familienwallfahrten organisiert wurden; jene in Danzig und Warschau hatten auch gotteslästerliche Züge, wie bereits oben erwähnt. In den letzten zwei Monaten gab es „Graffiti“ auf gut einem Dutzend Kirchen. Ein „Höhepunkt“ war der Angriff auf einen Priester in Stettin am 28. Juli: drei Männer waren in die Sakristei eingedrungen und verlangten priesterliche Gewänder, um die Parodie einer „Trauung“ zweier Männer durchzuführen. Der Priester verweigerte das, wurde geschlagen und an der Wange ernstlich verletzt.

Am folgenden Tag veröffentlichte der Pressesprecher der Bischofskonferenz ein Kommuniqué, in welchem der Anstieg der antikatholischen Angriffe als „nicht zu tolerieren“ verurteilt wurde. Der Präsident der Bischofskonferenz, S.E. Stanisław Gądecki, schrieb dem Stettiner Priester, verurteilte die „immer häufigeren Angriffe gegen Priester und Gläubige“ und appellierte an die dafür Verantwortlichen, sich zurückzuhalten.

Was übrigens die Pest anbetrifft: Polen wurde von der Schwarzen Pest im 14. Jahrhundert weitgehend verschont, weil König Kasimir der Große eine rigorose Quarantäne für alle angeordnet hatte, die das Königreich betreten wollten… Vorbildlich!

Wird Polen stark genug sein, der Wühlarbeit der „Regenbogenpest“ (deren Propagandasendungen über Polen auch im BRD-Fernsehen laufen) widerstehen zu können? Gibt es Hoffnung?

JV