Buchbesprechung Josef Kraus: 50 Jahre Umerziehung – Die 68er und ihre Hinterlassenschaften

Man kann gleich mit der Tür ins Haus fallen: dieses Buch kommt genau zur richtigen Zeit. Es füllt Lücken, die unbedingt gefüllt werden müssen. Wer sich nur mit den lückenhaften und schwindsüchtigen Infohäppchen von ARD, ZDF und Co informiert, hat nämlich keinerlei Wissen über Zusammenhänge und Hintergründe alles dessen, was uns momentan um die Ohren fliegt, ja: meist ahnt er nur verschwommen, daß da etwas fliegt. Wenn überhaupt. Deshalb ist ein solcher engagierter Augenöffner eine Notwendigkeit.

Josef Kraus ist unseren Lesern und den Teilnehmern der Civitas-Kongresse bestens bekannt. Seine glasklaren Analysen einer verfehlten sozialistischen Bildungspolitik machen ihn zu einem der bekanntesten Kritiker und schonungslosesten Schilderer der heutigen Lage und Situation. Im vorliegenden Buch nimmt er sich jene Leute zur Brust, denen wir all das (und noch viel mehr) zu verdanken haben, und auch hier sei gleich vorweg gesagt: das eigene Erleben im Universitäts- und Schulbereich der Jahrzehnte nach „Achtundsechzig“ bis heute bestätigt ausnahmslos alles, was Kraus in seinem neuesten Buch aufzeigt.

Souverän widerlegt Kraus nach und nach alle Legenden, die sich immer noch um die Akteure jener Jahre und um ihre „Leistungen“ ranken. Nein! sie haben keineswegs eine „dumpfe“ und zur „Aufarbeitung der Vergangenheit“ nicht bereite Adenauerzeit überwunden. Nein! die Akteure jener Zeit waren eben nicht staatlicher Repression unterworfen, sondern wurden ganz offen sogar vom zu Unrecht vergessenen Bundespräsidenten Heinemann unterstützt (da gibt es nämlich noch viel zu erforschen, in den prominenten Elitekreisen jener Zeit!!), ebenso wie von anderen Größen der damaligen BRD.

Wie hilflos Gymnasial- und Universitätslehrer jener Zeit der Entwicklung gegenüberstanden, das gehört auch zu den persönlichen Erinnerungen des Autors dieser Zeilen. Und auch: wie viele von ihnen in Wirklichkeit auch rein intellektuell völlig hilflos waren, das zu durchschauen, was sich vor ihren Augen abspielte. Ja, und dazu gehört auch die Flutung der Universitäten mit in aller Eile kumulativ habilitierten Professoren, die Schaffung von Planstellen für „Studienprofessoren“, die Etablierung eines meist links bis linksextrem ausgerichteten „akademischen Mittelbaus“. Hauptsache: linientreu.

Kraus läßt nichts an Kritik aus, und er spart keinen Bereich aus. Mit einer Fülle von Belegen zeigt er, daß „Achtundsechzig“ keinesfalls geschichtsnotwendig geschehen ist, sondern von den von Kraus so genannten „Urvätern“ initiiert und gemacht wurde. Wer dahintersteckt(e), welche Folgen das hat(te), alles das wird sauber und ordentlich dargelegt. Kraus scheut sich auch nicht, Roß und Reiter zu nennen, was die augenblickliche Lage der „Berliner Republik“ BRD anbetrifft: sie alle, die für das stehen, was heute geschieht, zieht er ans Licht. Das Kapitel VII (Vollender und Quereinsteiger von „68“) geht mit Sozialdemokraten, „Grünen“, Medien (ein Abschnitt, der sich besonders lohnt), der Rolle der Wirtschaft, mit den antideutschen Multikulti-Ideologen und der Quereinsteigerin Angela Merkel ganz ausgezeichnet argumentiert und begründet ins Gericht. Die gegen allen Augenschein, nein: gegen jegliche Realität geleugnete Islamisierung Deutschlands wird untersucht, die äußerst beschämende Rolle der Kirche (bzw. Kreuz-ab-Marx und seine geistigen Ministranten) und der Glaubensgemeinschaften findet ihre angemessene Kritik. – Lösungsansätze fallen am Schluß des Buches eher knapp aus, aber Lösungsvorschläge sind ja auch nicht die Aufgabe einer Analyse, die doch erst einmal die nötigen Fakten und Zusammenhänge untersuchen und präsentieren soll.

Das Nachwort „Wie ich „68“ und seine Epigonen erlebt habe“ könnte – mit den nötigen Abwandlungen – auch vom Autor dieser Zeilen stammen. Der Übergang von einem noch recht „vorkonziliaren“ Abitur an eine schon damals tiefrote Universität war ein Schock, der einen entweder mitriß oder immunisierte, vor allem in den geisteswissenschaftlichen Fächern (die damals noch nicht so genannten MINT-Fächer sind anscheinend aufgrund ihrer wissenschaftlichen Struktur von vornherein weniger anfällig für ideologische Sirenengesänge).

In diesem letzten Kapitel nennt Josef Kraus auch den Impetus, aus dem heraus er dieses kämpferische und ganz offene Buch geschrieben hat: „Ich mache mir Sorgen um die Zukunft unserer jungen Leute… Weil ich möchte, daß uns dieses Land nicht noch fremder wird… Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, daß Deutschland nicht ausschließlich zur politisch korrekten und gesinnungskonformen „Zivilgesellschaft“ wird: gutmenschlich domestiziert, postnational, ständig sich selbst und andere umerziehend.“

Genau deshalb ist dieses Buch unbedingt zu empfehlen. Es trägt Sachwissen und Argumente bei, und vielleicht kann es dem einen oder anderen noch nicht ganz gehirngewaschenen Mediengläubigen auch den Weg zurück in die Realität leichter machen.

Josef Kraus: 50 Jahre Umerziehung. Die 68er und ihre Hinterlassenschaften. Manuscriptum Verlagsbuchhandlung Lüdinghausen / Berlin 2018, ISBN 978-3-944872-81-0, 189 S., 19.90 €. Bitte hier bestellen.

JV