Aufruf von 1000Plus: „Pro Choice“ oder Pro Femina? Wir werden dafür sorgen, dass die Schwangeren in Not darüber entscheiden.

von Kristijan Aufiero

Seltsame Zeiten: Journalistinnen geben sich in unserer Beratung selbst als Schwangere aus, weil sie keine wirklich beratene Frau ausfindig machen können, die ihre Klischees über Pro Femina bestätigt.1 2

Die deutschen Jungsozialisten möchten Abtreibungen bis zur Geburt freigeben.3 Und ihr Vorsitzender regt sich im „Handelsblatt“ furchtbar darüber auf, dass schwangere Frauen das Informationsangebot von 1000plus auf den besten Plätzen im Internet finden.4

Eine Dame, die sich „Expertin für feministische SEO-Strategien” nennt, will vor lauter Ärger über die Suchmaschinen-Platzierungen von Pro Femina gleich den ganzen Google-Konzern „enteignen”.5

Und nun gab es auch tatsächlich die erste Demonstration gegen 1000plus und Pro Femina! Eine Gruppe, die sich offenbar „What the fuck?! My Body! My Choice!“ nennt, hat zu einer „Kundgebung Pro Choice statt Pro Femina“ am 1. August 2019, um 16 Uhr vor unserem Beratungszentrum am Kurfürstendamm 69 in Berlin aufgerufen.6

Die wesentliche Forderung der Gruppierung ist nach eigenen Angaben „die Schließung“ unseres Berliner Beratungszentrums. Gleichzeitig soll „feministische Gehsteigberatung“ stattfinden.7 Die Mitglieder der Gruppierung, denen der Mut fehlt, einen Verantwortlichen auf ihrer Homepage zu nennen oder ein Impressum zu führen, verstehen sich als Teil eines „Netzwerks von linksradikalen Pro-Choice-Aktivisten“.8 9

Die immer gleichen „Argumente“ dieser Damen und Herren sind so schwach wie ihre Kenntnisse über Schwangerschaftskonfliktberatung. Da empört man sich, wir würden nicht „ergebnisoffen“ beraten, „dürften“ keine Beratungsscheine ausstellen, würden Frauen „in ihrem Recht auf selbstbestimmte Entscheidung einschränken“ und, offenbar ganz besonders schlimm: „Ratsuchenden wird finanzielle Unterstützung angeboten, wenn sie sich dafür entscheiden, die Schwangerschaft fortzuführen.“

Ich werde nie verstehen, was daran verwerflich sein soll, junge Mütter und Familien bei der Bewältigung der Herausforderungen, die mit einem (weiteren) Kind einhergehen, materiell zu unterstützen. Zumal wir genau deshalb von den deutschen Finanzbehörden als gemeinnützig und als mildtätig anerkannt sind.

Frauen wünschen sich Beratung, keine Ideologie

Was die selbsternannten „linksradikalen Aktivisten“ dagegen nie verstehen werden: Jede beratene Frau bestimmt und entscheidet selbst über das „Ergebnis“ ihrer Beratung. Jede der über 45.000 Frauen, die sich bis heute an Pro Femina gewandt haben, hat dies selbst entschieden. Sie hat entschieden, von Pro Femina beraten zu werden, entschieden, auf welche Weise sie beraten wird und wie lange sie von uns beraten wird. Und es war stets die Frau, die entschieden hat, was sie nach der Beratung tut. 

Wir sind froh und dankbar, sagen zu dürfen, dass sich rund 70 Prozent der von Pro Femina beratenen Frauen für das Leben mit ihrem Kind entschieden haben. Dies bedeutet aber auch, das 30 Prozent der Beratenen ihre Entscheidungsfreiheit zu Gunsten der Abtreibung ausgeübt haben.

Dies mag schwer zu verstehen sein, wenn man gedanklich in Kategorien von (am besten staatlicher) Bevormundung und Entmündigung gefangen ist. Und doch möchte ich gerne fragen, was solche Kritiker eigentlich für ein krudes Frauenbild haben? Glauben ausgerechnet selbsternannte „Feministinnen“, dass Schwangere – die in 99 Prozent der Fälle telefonisch und schriftlich von Pro Femina beraten werden – so „manipuliert“ werden könnten, dass sie das Gegenteil von dem tun, was sie tun wollen? Halten solche „Feministinnen“ schwangere Frauen für dumm?

Derlei Gefangen-Sein in einem verqueren, weltfremden Denken – bei dem es um vieles geht, aber bestimmt nicht um die betroffenen Frauen – tritt auch bei der Diskussion um den sogenannten Beratungsschein zutage. Es scheint so zu sein, dass sich unsere Kritiker nicht vorstellen können und wollen, dass Schwangere in Not sich um der Beratung willen an Pro Femina wenden. Dass sich eine solche Frau tatsächlich Rat wünscht. Dass sie sich eine Beraterin an ihrer Seite wünscht, die ihr zuhört, ohne zeitliche Begrenzung für sie da ist, mit ihr nach Lösungen sucht und mit ihr Alternativen zu einer Abtreibung erarbeitet!

Haben unsere Kritiker jemals in Erwägung gezogen, dass sich letztes Jahr 16.204 Frauen in Freiheit an Pro Femina gewandt haben, weil sie das einfach wollten? Dass es ganz offensichtlich so etwas wie eine „gigantische Nachfrage“ nach genau der Information, Beratung und Hilfe gibt, wie sie Pro Femina bietet? Warum sonst haben 807.245 Personen in den letzten 12 Monaten unsere Informationsplattform profemina.org besucht? Warum sonst geben über 25 Prozent der von Pro Femina beratenen Frauen an, schon bei einer staatlichen Beratung gewesen zu sein?

Die Antwort ist ganz einfach: Frauen im Schwangerschaftskonflikt wünschen sich in ihrer großen Mehrheit tatsächlich exzellente Pro Femina-Beratung – und nicht Beratungsscheine. Und genau deswegen sind wir nicht Teil des staatlichen Beratungssystems und stellen keine „Scheine“ aus.

Schwangere sollen entmündigt werden

In der langjährigen Auseinandersetzung mit der Kritik an unserer Arbeit – die fast ausschließlich von linksradikaler Seite kommt – habe ich gelernt, dass man hier mit Argumenten nicht weiterkommt. Aus einem einfachen Grund: Es geht diesen „Kritikern“ letztlich nicht um die Frauen, sondern um eine ewig gestrige Ideologie und um Macht im politischen Diskurs. Argumente werden sie stets ignorieren und sie blenden konsequent aus, dass uns TAUSENDE persönliche Zeugnisse von Frauen vorliegen, die sich tief bewegt und dankbar für alles zeigen, was Pro Femina und 1000plus für sie getan hat.

Konsequenterweise kann es beim Angriff auf unsere Beratung deshalb nur um ein Ziel gehen: Schwangere zu entmündigen und daran zu hindern, von Pro Femina beraten zu werden. Oder noch besser: Pro Femina gleich ganz zu verbieten.

Es fällt schwer, mit gesundem Menschenverstand zu erfassen, warum jemand notfalls um den Preis der Abschaffung der freien Beratungswahl wollen kann, dass es noch mehr Abtreibungen gibt. Denn genau das wäre die unmittelbare Folge, würden diese Leute ihr Ziel erreichen.

Und doch nimmt der Angriff auf unsere Beratung und Hilfe für Schwangere in Not erstaunliche Ausmaße und Formen an. Einschlägige Medien greifen das Thema auf und mobilisieren mit schlecht recherchierten Artikeln und in propagandistischer Manier. Der „Humanistische Verband Berlin-Brandenburg“10, die „Jusos Berlin“11, das Online-Magazin „bento“12, die „Antifa Westberlin“13, „Die Linksfraktion Charlottenburg-Wilmersdorf“14 und selbst die Abtreibungsärztin Kristina Hänel15 wollen es sich nicht nehmen lassen, auf den Zug aufzuspringen.

Allen voran die „taz“16, die sich mit einem Interview in die Debatte einbringt, bei dem man mit dem Zählen der Falschinformationen beinahe nicht nachkommt. Interview-Partnerin ist Frau Achtelik, die ganz offenkundig ein recht ambivalentes Verhältnis zur Meinungs- und Entscheidungsfreiheit pflegt. Im Hauptberuf schreibt die Dame Bücher wie „Vorsicht Volk!“ für den „Verbrecher Verlag“ (Achtung: kein Scherz!)17. In bester linker Tradition weiß Frau Achtelik besser, was für Schwangere gut ist, als diese selbst.

Kirsten Achtelik freut sich in ihrem Kampf gegen die freie Beratungswahl auch über unorthodoxe Methoden: Als anonyme Aktivisten am 1. Juli eine Plakataktion vor dem neuen Pro Femina-Beratungszentrum durchführen und Pro Femina mittels eines „Anwohner*innenbriefs“ bei ihren Nachbarn zu diffamieren versuchen, dankt sie auf Twitter allen „unbekannten fleißigen Menschen“ für die Durchführung.

Die „feministische Autorin“ scheint es sich generell zur Aufgabe gemacht zu haben, gegen Pro Femina zu mobilisieren. In ihrer Twitter-Korrespondenz mit Barbara König18 (Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung) wird überdeutlich, was ihr eigentliches Ziel ist:

Während Frau Achtelik politische Hebel in Bewegung setzt, greift manch einer ihrer Gleichgesinnten zu anderen Methoden19:

Wessen Geistes Kind diese Kritiker sind, wohin diese Mobilisierung führt und mit wem beziehungsweise womit wir es letztlich zu tun haben, wurde diesen Mittwochmorgen deutlich: Unbekannte haben Hundekot in den Briefkasten unserer Berliner Niederlassung gestopft.

Frauen sollen also daran gehindert werden, von Pro Femina beraten zu werden. Völlig radikalisierte Demonstranten vor unserem Beratungszentrum fordern dessen Schließung. Die immer unverhohlenere Drohung, politisch gegen die freie Beratungswahl für Schwangere in Not vorzugehen. Plakataktionen vor unserem Büro und Denunziation bei unseren Nachbarn und Anwohnern.20 Und Hundekot im Briefkasten? Ich denke, dass es nicht nötig ist, hier auszuführen, an welche Zeiten all das erinnert.

Ich will offen gestehen, dass ich mir ein solches Ausmaß des Hasses gegen eine Frauenhilfsorganisation, die Schwangere in Not dabei unterstützt, sich für ein Leben mit ihrem Kind zu entscheiden, bis heute nicht vorstellen konnte.

Die Zukunft von Pro Femina

Angesichts dessen, was wir als 1000plus im Augenblick erleben, erscheint es nicht mehr undenkbar, dass es unter einer neuen Bundesregierung mit linkem Vorzeichen nach der im Raum stehenden Neuwahl tatsächlich zum Äußersten kommt.

Mit anderen Worten: Es geht um die Existenz des größten Pro-Life-Beratungsangebots, das es in Deutschland und Europa gibt.

ABER: Solange es nicht soweit ist, verspreche ich Ihnen hoch und heilig, dass wir unser Beratungszentrum in Berlin NIEMALS freiwillig schließen werden.

Und noch etwas: Wir sind in den letzten Zügen der Vorbereitung der größten und umfassendsten Pro-Life-Kampagne, die 1000plus jemals lanciert hat. Ich habe heute nicht den geringsten Zweifel daran, dass die aktuellen Angriffe 1000plus besser, stärker und größer machen werden als jemals zuvor. Wir werden den Versuch, unsere Beratung und Hilfe für Schwangere in Not kaputt zu machen, dazu nutzen, das größte internetbasierte Beratungsangebot Deutschlands und Europas aufzubauen.

„Pro Choice“ oder Pro Femina? Wir werden dafür sorgen, dass die Schwangeren in Not darüber entscheiden. Und nicht etwa Leute, die Hundekot in Briefkästen stopfen.

Darf ich, darf 1000plus, und dürfen vor allem die Schwangeren in Not auf Ihre Unterstützung zählen? Es kommt auf jeden Einzelnen an!

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