Die Mächte der Finsternis

Es ist nicht nur erschreckend, es ist viel, viel mehr als das. Wie weit die Unkenntnis über grundlegendste Lehren (Wahrheiten) des Christentums inzwischen fortgeschritten ist, das zeigt sich auch bei einer sogenannten Expertin, die in einer populären Trödelschau des ZDF einen zum Verkauf stehenden Tabernakel als Schrank beschrieb, in den das Brot hineingetan wurde, vor dem dann gebetet wurde – und wenn man das Brot dann herausholte, war es zum Leib Christi geworden. Hätte man es nicht mit eigenen Ohren gehört, mit eigenen Augen gesehen: man würde es für Satire halten. Wenn schon Experten auf solchem Niveau sind: was kann man da von einer völlig uninformierten Öffentlichkeit erwarten?

Wie wichtig ist also jenes Buch, das vor wenigen Wochen im verdienstlichen Patrimonium-Verlag erschienen ist! Gemeint ist „Die Mächte der Finsternis – Ingo Langner im Gespräch mit Pater Franz Schmidberger von der Priesterbruderschaft St. Pius X.“ Der erste Teil des Buchtitels macht deutlich, daß es um die aktuelle Gefährdung des Glaubens, um die krisenhafte Situation geht, welche die Kirche aktuell durchmacht. Sicherlich hat es immer Krisensituationen in der Geschichte der Kirche gegeben, aber nie waren es so globale Krisen wie heute, im Zeitalter einer ungehemmten Kommunikation, in der jedes Ereignis, jede (begründete oder aberwitzige) Meinung weite Verbreitung finden kann. Und wenn man dann auf „Experten“ wie die oben genannte trifft, dann sind die Folgen klar.

Nochmals also: wie wichtig ist doch ein solches Buch, in dem Pater Schmidberger, ehemaliger Generaloberer und aktueller Regens des deutschen Priesterseminars der Priesterbruderschaft St. Pius X., im Gespräch mit dem Publizisten Ingo Langner (er „gehört zu den bedeutenden katholischen Intellektuellen im deutschsprachigen Raum“, Kirchliche Umschau 12/2019) mit mathematisch-analytischem Verstand den Dingen auf den Grund geht. In klarer und deshalb verständlicher Weise erklärt er die Krise, deren Ursachen, die Heilmittel, und dabei wird er von Ingo Langner begleitet und angeregt.

Pater Schmidberger schreibt in seinem Vorwort:

„Die zweite göttliche Person wird Mensch, um die zerstörte Ordnung wiederherzustellen und dieses Werk der Wiedergutmachung in Raum und Zeit fortzusetzen. Folglich richten sich die Angriffe des Widersachers in ganz besonderer Weise bis zum Weltende gegen Christus und seine hochheilige Mutter, gegen die Kinder Gottes und alles Heilige, insbesondere gegen das Priestertum und die hl. Messe.“

Es geht unter anderem um den Modernismus, jene Revolution, die in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts (im 2. Vatikanischen Konzil und dessen Folgen) in der Kirche an Boden gewann und deren schädliche Folgen heute deutlicher denn je werden. Es geht um die Irrlehren und Krisen der Vergangenheit, die von der Kirche nur mit großen Anstrengungen überwunden werden konnten. Und es geht um altbekannte Vorwürfe gegen die Kirche (ja, ja: Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverbrennung…), um den Kommunismus (hochaktuell! Er schleicht sich ja inzwischen wieder in die „Mitte der Gesellschaft“). Letzten Endes aber geht es immer um die Wahrheit, deren Bewahrung und Weitergabe der Kirche von ihrem göttlichen Stifter aufgegeben ist: um den zweitausendjährigen Abwehrkampf der Kirche Christi gegen die unterschiedlichsten Irrlehren.

Dieses ist aber trotz allem kein düsteres, hoffnungsloses Buch – ganz im Gegenteil. Heißt doch die Fortsetzung von „Die Mächte der Finsternis…“ in der Bibel: „… werden sie nicht überwältigen.“ Dieses sichere Wissen durchzieht das gesamte Gespräch, das gesamte Buch. Aber:

Langner: Alle, die daran glauben, dass Satan die katholische Kirche nicht besiegen wird, könnten jetzt eigentlich aufatmen.

Schmidberger: Etwa so, wie Kardinal Oddi sich mir gegenüber äußerte: Was ärgert ihr euch, was regt ihr euch auf und befürchtet ihr? Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen, der Sieg wird der Kirche gehören. Da habe ich gesagt: Eminenz, so einfach ist die Sache nicht. Die Menschen haben ihren Anteil zu leisten und müssen mitwirken, sonst wird das für die einzelnen Menschen und die christliche Gesellschaft schlimm ausgehen.

Langner: Dass Sie so denken, freut mich. Wenn es anders wäre, könnten wir unser Gespräch hier enden lassen. Jesus sagt zwar, die Mächte der Finsternis werden seine Kirche nicht überwältigen. Er sagt jedoch nicht, dass sie das nicht versuchen werden.

Schmidberger: So ist es tatsächlich. Sie werden es versuchen und sie werden sogar zu einem gewissen Teil – ich spreche ausdrücklich von einem gewissen Teil -, den Sieg erringen. Natürlich gehört der endgültige Sieg Christus, das ist klar. Aber das trifft nicht notwendigerweise für den einzelnen Menschen und auch nicht für ganze Völker und ganze Gegenden zu. (…).

Es ist ein durch und durch katholisches, ein reiches Buch, inhaltlich viel reicher, als es hier dargestellt werden kann, ein verständlicher und nachvollziehbarer Gang durch Geschichte, Theologie, Philosophie…, und deshalb eignet es sich für alle, welche Stellungnahmen aus katholischer Sicht suchen. Man liest es mit großem Gewinn, und am Ende ist man der völlig korrekten Überzeugung, daß man als Katholik eigentlich keine Diskussion fürchten muß, weil „katholisch“ eben ganz einfach „richtig“ ist und sich überhaupt nicht schamhaft verstecken muß.

Und es eignet sich für alle, die sich von der Priesterbruderschaft ein authentisches Bild machen wollen, abseits von platten, stereotypen Schlagworten, die oft genug bestenfalls das Niveau der eingangs erwähnten Expertin haben.

Ingo Langner / Pater Franz Schmidberger: Die Mächte der Finsternis, Aachen 2019, 232 S.; 14,80 €, ISBN 978-3-86417-125-3

Das Buch kann hier bestellt werden.

JV