1,3 Millionen Teilnehmer bei Dreikönigs-Umzügen

Warschauer Altstadt: Balthasars Gefolge zieht los

Es begann im Januar 2008: die „Lebende Krippe“ einer Schule war ein solcher Erfolg, daß die Besucher auf die Straße auswichen und dort die Heiligen Drei Könige begrüßten, welche ihrerseits gekommen waren, um dem Jesuskind zu huldigen und ihm Geschenke zu bringen. Und wie das manchmal so ist: daraus entstand ein „neuer“ Brauch, der sich von Jahr zu Jahr immer mehr ausbreitet.

In diesem Jahr waren es 1,3 Millionen Menschen, die sich auf öffentlichen Plätzen bei lebenden Krippen trafen, Weihnachtslieder sangen und die Drei Weisen aus dem Morgenland begrüßten und begleiteten, die dann vor dem Christkind niederknieten.

Fast 900 Städte in Polen haben am Dreikönigstag Umzüge dieser Art organisiert. 1,3 Millionen Polen sollen teilgenommen haben, allein in Warschau waren es wohl 90 000 Teilnehmer: ein neuer Rekord. Auch Kazimierz Kardinal Nycz, der Erzbischof von Warschau, war dabei, zusammen mit Präsident Andrzej Duda und dessen Gemahlin. Der Premierminister Mateusz Morawiecki nahm (nun ja: von Leibwächtern begleitet) inmitten der unübersehbaren Volksmenge teil.

Die Erscheinung des Herrn ist in Polen seit 2011 wieder offizieller Feiertag, wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Umzüge haben einen volkstümlichen Charakter, der von Kindern und Familien sehr gemocht wird; die religiöse Dimension ist aber sehr gegenwärtig. Erst nach einer Messe und nach dem Angelusgebet ziehen die Drei Könige wieder fort. Längs des Zugweges in Warschau finden sich Szenen der Reise der Könige, vom Stern geführt vom Orient bis Bethlehem. Engel ermutigen die Menschen, zum menschgewordenen Gott in der Krippe zu gehen, während Teufel versuchen, sie davon abzubringen. Epiphanie – das ist die Verkündigung Christi an die Welt, und die Organisatoren der Züge verheimlichen gar nicht, daß ihr wichtigstes Ziel die Evangelisation ist.

Ach, Polen, wie weit bist Du doch von dem entchristlichten, sinnfreien Konsumfest-Taumel entfernt, der auch als „Fest der Liebe“ getarnt seine völlige Leere nicht mehr verbergen kann. Das ist einer der Gründe, warum Du nicht verloren bist.

JV